„Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten.“ Behandlung komplexer Traumafolgestörungen und Bindungsstörungen mit Ego-State-Therapie

Referent: Dr. Kai Fritsche

Der Schwerpunkt dieses Seminars besteht aus der Arbeit mit traumatisierten Ego-States, also Ego-States, die auf Grund von traumatisierenden Erlebnissen entstanden sind. Im Seminar wird ein umfassendes integratives traumatherapeutisches Behandlungskonzept vorgestellt und erläutert, das sich für die Behandlung der großen Bandbreite von Traumafolgestörungen anwenden lässt und das sich auf die Behandlungserfahrungen aus über 20 Jahren traumatherapeutischer Praxis stützt.

Die Ego-State-Therapie stellt eine hervorragende Traumatherapiemethode dar. Dabei lassen sich zwei Bereiche integrieren:

(A) Die Arbeit mit traumaassoziierten Ego-States und

(B) Die Konfrontation mit traumatischem Erinnerungsmaterial.

Beide Bereiche lassen sich einzeln sowie in Kombination mit unterschiedlichen Gewichtungen im Behandlungsplan realisieren. Zur Arbeit mit traumaassoziierten Ego-States gehören die Aspekte des Zugangs sowie der Unterstützung und Versorgung, einschließlich dem Nachholen von Ausgebliebenem. Die Arbeit mit traumaassoziierten Ego-States lässt sich auf mehrere Erlebensebenen beziehen, so dass ganzheitliche heilsame Erfahrungen möglich sind.

Zur Konfrontation mit traumatischem Erinnerungsmaterial gehören die Aspekte der Sicherheit, Kontrollierbarkeit sowie der Generierung korrektiver Erfahrungen. Die BASK- und SIBAM-Modelle sowie die top-down- und bottom-up-Verarbeitungswege werden als konzeptionelle Grundlage genutzt. Fragen nach dem Sinn und Unsinn des Konfrontierens, nach der spezifischen Indikation sowie nach den Möglichkeiten eines sicheren, kontrollierbaren und interaktiven Durcharbeitens von traumatischem Erinnerungsmaterial werden beantwortet. Es wird gezeigt, in wie weit bereits durch die Konfrontation mit traumatischem Material korrektive Erfahrungen möglich sind.

Die Möglichkeiten der Integration der beiden Behandlungsbereiche in ein traumatherapeutisches Gesamtbehandlungskonzept werden vorgestellt. Das Thema der nachträglichen imaginativen Täterkombination wird in das Konzept integriert.

 Im Seminar wird den TeilnehmerInnen ein Einblick in die theoretischen Ansätze, die Methoden und Behandlungsstrategien der Arbeit mit traumatisierten Ego-States praxisnah und abwechslungsreich vermittelt. Durch Demonstrationen, Übungen und Diskussionen wird ein vielfältiger Zugang geschaffen. Das Seminar wird die Möglichkeit bieten, erste Schritte dieser Thematik unmittelbar anzuwenden, also in die eigene psychotherapeutische Arbeit einzuflechten.

Literatur:

Fritzsche, K. (2013). Praxis der Ego-State-Therapie. Heidelberg: Carl-Auer Verlag, 3. Auflage 2018.

Fritzsche, K. (2013). Einführung in die Ego-State-Therapie. In: Sulz, S.K.D. & Bronisch, T. (Hrsg.) (2013): States of Mind, Ego-States, Selbstmodus – von der zerrissenen zur integrierten Persönlichkeit. München: CIP-Medien.

Fritzsche, K. (2017). Zwei Gesichter der Dissoziation: Ego-State-Therapie zur Behandlung von Traumafolgestörungen. Psychotherapie im Dialog 3, 79-82.

Termin:
04. – 06.12.2020 (3 Tage)
jeweils 9.30 Uhr bis 18.00 Uhr
Referent: Dr. Kai Fritsche
Veranstaltungsort: Wiesbaden, Alfred Delp Haus, Tannhäuser Str. 44
490,-€

Anmeldung 2020